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Freitagspredigt

Islamische Eheschließung und Scheidung (Nikah und Talaq)

19. August 2022 / 21. Muharram 1444

Verehrte Muslime,

in unserer heutigen Hutbe befassen wir uns mit der islamischen Eheschließung und der Scheidung, Nikah und Talaq. Nach dem islamischen Selbstverständnis gehört die Familie zu den wichtigsten und schützenswerten Institutionen. Denn der gesunde Fortbestand der Menschheit im Hinblick auf Körper und Geist hängt von dieser Institution ab. Der Verfall der Familie führt auch zum Verfall einer Gesellschaft. Grundlage dieser Institution bildet zweifellos die rechtmäßige Ehe. Sie hebt das Verbot des Zusammenseins eines Mannes mit einer Frau auf und verbindet sie zu einer Familie. Die Ehe bringt Verantwortung für Mann und Frau mit sich, ermutigt sie zur Arbeit und führt zum Wachstum des Wohlstandes. Die jugendlichen Träume werden wahr und Seelenfrieden kehrt ein. Die Ehe trägt zum Wohl der Gesellschaft durch Vermeidung des unrechtmäßigen  Zusammenseins bei. Nikah gemäß unserer Religion ist ein Vertrag, der  zwischen einem Mann und einer Frau, bei denen keine islamisch-rechtlichen Ehehindernisse vorliegen, auf Dauer für den Rest ihres Lebens geschlossen wird. Der Ehevertrag bildet die Grundlage der Familie und ist zugleich eine Ibadet.

So spricht Allah Te’ala im Kur’an Kerim Folgendes: „Und verheiratet die Ledigen unter euch und die Rechtschaffenen von euren Dienern und euren Dienerinnen.   Sollten sie arm sein, wird Allah sie durch Seine Gunst reich machen. Und Allah ist allumfassend und allwissend.” (Sure an-Nur, 24:32)

Unser Prophet (s.a.w.) betonte die Rolle der islamischen Eheschließung folgendermaßen: „Der Nikah gehört zu meiner Sunna. Wer nicht gemäß meiner Sunna handelt, gehört nicht zu mir.” (Ibn Madsche, 1846)

Die Eheschließung muss in Anwesenheit von zwei Zeugen geschlossen und öffentlich gemacht werden, damit der Verdacht eines Ehebruchs vermieden werden kann. Rasulullah (s.a.w.) sagte hierzu: „Vollzieht diese Eheschließung öffentlich und vollzieht sie in den Moscheen.” (Ibn Hadschar al-Askalani, Mischkat al-Masabih, 3/266)

Bei der Eheschließung sollte auch die Brautgabe, mahr, erwähnt werden. Auch wenn die Brautgabe keine Bedingung darstellt, gehört sie doch zu den notwendigen Dingen. Der Teil der Brautgabe, die im Voraus gegeben wird wie Schmuck, bezeichnet man mahr mu’addschal und die, die befristet wird, mahr mueddschel. Der festgesetzte Betrag ist Eigentum

der Ehefrau. Der Mann hat kein Recht ohne die Erlaubnis seiner Frau darüber zu verfügen. Manche reißen Schmuck und Geld, die der Frau bei der Hochzeit geschenkt werden an sich und meinen, dass es keinen Unterschied macht, das es der rechten Hosentasche in die linke wandere. Dies ist schlicht falsch. Es muss allen klar sein, dass die befristete Brautgabe eine Schuld ist, die der Ehefrau gegegeben werden muss. Leider sind sich vieler dieser Sache nicht einmal bewusst.

Liebe Muslime,

Nikah ist ein wichtiger Wert, der die Heirat und die Familie aufrecht erhält und den man behüten muss. Man darf damit nicht leichtsinnig umgehen. Deshalb sagte unser Prophet (s.a.w.): „Es gibt drei Dinge, die ernst sind, wenn sie ernst (ausgesprochen werden) und ernst sind, auch wenn sie spaßhalber geäußert werden: die Eheschließung, die Scheidung und Rückkehr (zur Frau nach einer umkehrbaren Scheidung).” (Tirmizi 1184, Abu Davud 2194, Ibn Madsche 2039)

Es ist für jeden Muslim wichtig, die Umstände zu kennen, die den Nikah ungültig machen. Eines davon bilden Aussagen, die den Ausschluss aus der Religion und Scheidung zugleich nach sich ziehen. In diesem Fall müssen sowohl der Iman als auch der Nikah erneuert werden.

Ein anderes sind Äußerungen mit dem Begriff Talaq (Scheidung). Mit der verbalen Scheidung tritt auch die religiöse Scheidung ein, egal ob es in Anwesenheit oder Abwesenheit von Zeugen getätigt wird. Manche ungebildete Muslime nutzen die Drohung mit der Scheidung als psychologisches Druckmittel gegenüber ihren Frauen, uns sprechen sie aus, was zu irreparablen Konsequenzen führt.

Mit dem Nikah sind die Eheleute mit drei geistigen Ehebanden verbunden. Wer einen Talaq, also eine einmalige Scheidung ausspricht, bricht das erste Band. Wer eine zweimalige Scheidung ausspricht, bricht das zweite Band. In diesen Fällen kann die Ehe, soweit von beiden Seiten gewünscht, wiederaufgenommen werden. Wenn aber alle drei Bände gebrochen werden, so ist eine Trennung unumgänglich. Sollten sie ihr Leben unter diesen Umständen weiterführen, so hätten sie keine religiöse Ehe. Einer der drei Talaqs, also drei Scheidungen auf einmal ausspricht, gilt nach den vier Rechtsschulen mit drei Talaqs geschieden. Diese Regelungen gelten sicherlich für diejenigen, die eine religiöse Sensibilität haben und ihre Religion leben wollen. Daher sollte ein Muslim den Talaq (Scheidung) sowohl von seiner Zunge als auch von seinem Herz fernhalten.

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